Die Postbehörden in der sowjetischen Besatzungszone waren am 21. Juni 1948 auf die Währungsreform in den drei Westzonen nicht vorbereitet. Die bis dahin in allen Besatzungszonen gültigen Marken des Kontrollrats (Ziffernserie, Arbeiterserie, Sondermarken) verloren mit Ablauf des 22. Juni 1948 in den Westzonen ihre Gültigkeit  und konnten abgewertet auf 1/10 ihres Nennwertes vom 21. bis 23. Juni 1948 (erste Briefkastenleerung) aufgebraucht werden.

Während die Westalliierten die Währungsreform durchführten und mit den Posthörnchenaufdrucken auch Briefmarken in der neuen Währung Deutsche Mark ab 21. Juni 1948 zur Verfügung standen, waren in der sowjetischen Besatzungszone noch am 23. Juni 1948 die Marken des Kontrollrates in der alten Reichsmark gültig. Die sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) führte am 24. Juni 1948 als Reaktion ihrerseits eine Währungsreform durch. Im Postdienst standen aber keine Marken in neuer Währung zur Verfügung. Gleichzeitig bestand die Gefahr, dass große Mengen der in den Westzonen ungültig gewordenen Kontrollratsmarken über die offene Grenze in den sowjetisch besetzten Teil Deutschlands geschleust würden, um hier Währungsgewinne abzuschöpfen. Deshalb war eine schnelle Reaktion der SMAD notwendig und es entstand in der sowjetischen Zone ein postalisch notwendiges Briefmarkenprovisorium, das nur 17 Tage gültig war.

Die Hauptverwaltung Post- und Fernmeldewesen (HVPF) wurde durch die sowjetischen Behörden angewiesen neue Briefmarken herauszugeben. Die HVPF mußte ohne Zeitverlust handeln und wies am 23. Juni 1948 alle Postämter durch das KS-Telegramm Nr. 6 (Kreistelegramm, das als Staatstelegramm der obersten Postbehörde an einen vorher festgelegten Empfängerkreis ging und mit Vorrang zu behandeln war) an, mit dem bei den Postämtern vorhandenen Hilfsmittel – dem Bezirksstempel – neue Postwertzeichen herzustellen. Die Bezirkstempel dienten seit 1893 im Postalltag zum Kennzeichnen von Postanweisungen und Zahlkarten.

Die Postmitarbeiter mussten also – teilweise sicherlich in Nachtschicht – die neuen Überdruckmarken vom 23. auf den 24. Juni 1948 morgens herstellen, um den Schalterbedarf ab dem ersten Gültigkeitstag zu decken. Ein deutsches Überdruckprovisorium war entstanden.