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Aktuelles!!!

„Lokalausgabe“ Etzdorf – besondere Barfrankaturen
zur Währungsreform in Etzdorf

Dr. Julius Böheim, Konstanz

Seit Urzeiten werden im Michel-Spezial-Katalog unter deutsche
Lokalausgaben 4 Gebührenzettel von Etzdorf katalogisiert, in Abb. 1 wird
die Michel-Katalogisierung von 1967/68 gezeigt. Der Text im Michel-
Spezial blieb unverändert bis 1992, jedoch gingen die Katalogpreise mit
den Jahren steil nach oben (Abb. 2, Katalogpreise von 1992). In der
Katalogauflage von 1994 wurde erstmals ein Symbol „2“ eingefügt,
welches bedeutet: „wird derzeit nicht geprüft“, sonst blieb alles
unverändert. In der Katalogauflage von 2004 wanderten die
Gebührenzettel von Etzdorf in die Abteilung „Nichtamtliche
Ausgaben/Privaterzeugnisse“ und bekamen das Symbol „1“, welches
bedeutet „wird nicht (BPP) geprüft“. Die Katalogpreise blieben zunächst
unverändert, wurden in späteren Jahren jedoch deutlich reduziert.
Die Katalogredaktion fügte den Satz ein „Mi.Nr. 1-4 wurden von einem
Privatmann hergestellt und als Ersatz für in Etzdorf fehlende
Bezirksstempelaufdruckmarken verwendet“.
In meinem Beitrag möchte ich zeigen, dass die derzeitige Katalogisierung
als „Privaterzeugnis“ nicht korrekt ist. Vielmehr sind die Gebührenzettel
von Etzdorf als eine besondere Barfrankatur anzusehen, die für wenige
Tage für den allgemeinen Postverkehr von Etzdorf verwendet wurde,
daher sollten sie im Michel das Symbol „3“ bekommen, was bedeutet „wird
nur als Barfrankatur geprüft“. Da die Barfrankaturen der SBZ von Juni-Juli
1948 in das Prüfgebiet der Bezirkshandstempelprüfer fallen, werden
Briefe mit Gebührenzetteln von Etzdorf von den BPP-Prüfern für den
Bezirk 27 mit Attest oder Befund geprüft.
Bereits in der Frühzeit wurden von philatelistischen Forschern
Informationen über die „Lokalausgabe“ Etzdorf gesammelt, vor allem
v.Heintze sen. war hier tätig. Leider wurde bisher zu den Gebührenzetteln
von Etzdorf (außer den Informationen in den Katalogen) nahezu nichts
publiziert.
Etzdorf war ca. 3 km von Roßwein entfernt. Dem Abrechnungspostamt
Roßwein unterstanden das Zweigpostamt Böhringen und 5 Poststellen I:
Etzdorf, Gleisberg, Grunau, Marbach und Niederstriegis. Das PA Roßwein
hat aus unbekannten Gründen versäumt, die unterstellten
Postdienststellen wie vorgeschrieben am 24.6.48 mit
Bezirkshandstempelaufdruckmarken zu beliefern. Von den vom PA
Roßwein verwalteten Orten hatte Niederstriegis das größte
Postaufkommen (vor allem durch die ehemaligen Byk-Gulden-Werke, jetzt
VEB Lactacida). Die PStI Niederstriegis stellte eigene Aufdrucke mit
eigenem Bezirksstempel her. Böhringen und Marbach verwendeten
handschriftliche Barfrankaturen. Grunau verwendete einen Gebühr
bezahlt Stempel in auffälliger Sonderform (laut Richter „Firmenstempel“).
Von Gleisberg ist kein Beleg registriert weder bei mir noch bei Richter.
Etzdorf hatte keinen „Gebühr bezahlt“ Stempel und verwendete 1945-46
handschriftliche Barfrankaturen. Vom 24.6.48 ist kein Beleg aus Etzdorf
bekannt. Am 24.6.48 hatte vermutlich Fritz Leutert, Ehemann der
Posthalterin von Etzdorf, die Idee, Gebührenzettel aus halbierten Oblaten
herzustellen, um seiner Frau die Abwicklung der Briefpost zu erleichtern.
Vom 25.6.48 gibt es den ersten R-Brief mit den Gebührenzetteln von
Etzdorf, ein großformatiger R-Brief mit 24 und 84 Pf R-Nr. 445 von Fritz
Leutert an Karl Droll in Baden-Baden (Abb. 3, ehemals aus der Sammlung
Arenz). Die Entwertung hat einen Drehfehler 20.6.48.-15 statt 25.6.48.-10,
aber das richtige Datum ist an der handschriftlichen Signatur der
Gebührenzettel „L 25/6“ erkennbar, der Brief ist gelaufen mit korrektem
Ankunftstempel. Außerdem gibt es noch einen 24 Pf Brief vom gleichen
Datum mit Abs. Fritz Leutert an Johann Göpfert in Schönheide, abgebildet
im „DDR-Universalkatalog“ des Transpress-Verlags von 1986.
Vom 29.6.48 gibt es den berühmten großformatigen R-Brief Nr. 452 von
Fritz Leutert nach Russland an den verschleppten deutschen Spezialisten
Walter Haas mit 9 Gebührenzetteln (Abb. 4, ehemals aus Sammlung
v.Heintze). Bei diesem Brief wurde die Frankatur offensichtlich am 30.6.
im PA Roßwein beanstandet und teilweise mit Bezirkshandstempelmarken
überklebt. Bei diesem Beleg ist die Portoberechnung allerdings ein Rätsel.
Bei dem angegebenen Gewicht von 220g wäre das Porto als R-Brief 4,10.
An Gebührenzetteln sind frankiert 3,52 und an darüber geklebten
Handstempelmarken 2,10, der Briefausschnitt ist also wahrscheinlich
unvollständig erhalten. Er trägt rückseitig einen russischen
Ankunftstempel.
Vom 29.6.48 sind mir außerdem 3 Briefe mit Gebührenzetteln zu 24 Pf
bekannt, die andere Absender und andere Handschriften haben und somit
nicht von Fritz Leutert stammen. Der erste Brief ist an Herbert Fritsche
Roßwein-Postamt adressiert. Der zweite Brief ist von Abs. Bauer Fritz
Wilsdorf aus Etzdorf an Herrn Walter Herrbach in Rosswein adressiert.
Der dritte Brief (Abb. 5) sieht vom Bedarfcharakter mit
Beförderungsspuren am besten aus, er ist erst Ende 2017 bei der JABSAuktion
aufgetaucht und ich konnte ihn dort erwerben.
Am 30.6.48 kam das Verbot der weiteren Verwendung der Gebührenzettel
mit einem Schreiben vom Abrechnungspostamt Roßwein.
Mit Daten vom 30.6.48 bis 2.7.48 habe ich keine echten Briefe aus Etzdorf
registriert, ich vermute dass Etzdorf in dieser Zeit mit
Bezirkshandstempelmarken des PA Roßwein beliefert wurde. Auch die
PStI Niederstriegis wurde in den späteren Tagen noch mit
Handstempelmarken mit Aufdruck 27 Roßwein beliefert, wie
Bedarfsbelege vom 5.7 und 6.7.48 zeigen (Abb. 6).
Mit Stempeldatum Etzdorf 30.6.48.-9 habe ich jedoch einige gefälschte
Bezirkshandstempelbelege von Fritz Leutert registriert dabei u.a. Ziffernund
Markwerte mit Handstempelaufdruck von 27 Roßwein, die es echt gar
nicht gab. Die R-Zettel haben dabei eine andere Type. Außerdem gibt es
von dem rückdatierten Datum 30.6.48.-9 eine in die Schweiz adressierte
Postkarte mit Bezirkshandstempelfrankatur von Absender Fritz Leutert,
die ich für nachträglich beschriftet halte.
Am 3.7.48 verschickte Fritz Leutert den echten R-Brief Nr. 458 mit echter
Bezirkshandstempelfrankatur (Abb.7), am 5.7.48 verschickte Fritz Leutert
den R-Brief Nr. 460 wiederum mit echter Bezirkshandstempelfrankatur
(Abb. 8), vom 9.7.48 habe ich einen Postanweisungsabschnitt aus Etzdorf
mit einer Bezirkshandstempelmarke von 27 Roßwein in meiner
Sammlung (Abb. 9). Die R-Nummern zeigen, wie gering das
Postaufkommen in Etzdorf war: vom 25.6.48 bis 5.7.48 wurden die RNummern
445 bis 460 verbraucht, es wurden also nur 16 R-Briefe
verschickt!
Dass Fritz Leutert mit Stempeldaten von 7.7.48 bis 10.7.48 noch einzelne
weitere Bezirkshandstempelbelege gefälscht hat, sollte nicht unerwähnt
bleiben. Sie fallen vor allem durch unpassende R-Zettel auf.
Die Gebührenzettel von Etzdorf hatten also nur ca. 4 mögliche
Verwendungstage vom 25.6.-29.6.48 (der 27.6.48 war Sonntag). In dieser
Zeit wurden nur ca. 8 R-Briefe abgefertigt, auch die normalen 24 Pf Briefe
können als Raritäten angesehen werden. Eine weitere Verwendung der
Gebührenzettel bis 3.7.48 (wie in den Katalogen angegeben) konnte es
nicht geben, da bereits am 30.6.48 die weitere Verwendung verboten
wurde.
Ungebrauchte Gebührenzettel wurden nicht am Postschalter verkauft.
Restbestände ungebrauchter Gebührenzettel sollen später verschenkt
worden sein. Bei diesen ungebrauchten Stücken fehlt die handschriftliche
Signatur der Posthalterin. Ungebrauchte Gebührenzettel werden nicht
geprüft. In Abb. 10 sehen Sie einen postfrischen Satz Gebührenzettel, der
rückseitig mit Altprüfzeichen Dr.Merschkötter und Sturm BPP signiert ist.
Die 50Pf aus diesem Satz diente der Michel-Redaktion seit 1967 bis heute
als Vorlage für die Katalogabbildung wie aus Schnitt, Zähnung und
Stellung der Zeilenstempel erkennbar ist.
Lose gestempelte Gebührenzettel und Briefstücke werden derzeit nicht
geprüft. Es soll auch nicht gelaufene, blanco gestempelte und nachträglich
beschriftete Postkarten mit Gebührenzettel geben, die zwar bisher nicht
vorgelegen haben, aber auch bei Prüfung abzulehnen wären.
In Abb. 11 sehen Sie ein Briefstück vom 29.6.48.-10 mit einer
abweichenden handschriftlichen Signatur, auch das handschriftliche
Datum 29/6 fehlt. Dieses Stück ist fragwürdig obwohl es rückseitig eine
echte Prüfsignatur ZIERER BPP hat.
Insgesamt ist das Vorkommen sowohl ungebrauchter wie auch
gestempelter Gebührenzettel sehr gering, solche Stücke werden nur sehr
selten auf Auktionen angeboten.
In den letzten Jahren nehmen jedoch moderne Ganzfälschungen der
Etzdorfer Gebührenzettel überhand. Sie sind an einer anders gewellten
Randstruktur erkennbar und werden meistens ungebraucht ohne Gummi
angeboten. In Abb. 12 sehen Sie einen solchen Satz Totalfälschungen,
der in einer renommierten deutschen Auktion vor ca. 1 Jahr für teures
Geld verkauft wurde.
Texte zu den Abbildungen:
Abb. 1: Michel-Katalogisierung von 1967/68
Abb. 2: Michel-Katalogpreise für die Etzdorfer Gebührenzettel von 1992
Abb. 3: R-Brief vom 25.6.48 mit Gebührenzettel 24 und 84 Pf
Abb. 4: R-Brief vom 29.6.48 mit 9 Gebührenzetteln und Überklebung am
30.6. in Roßwein
Abb. 5: Bedarfsbrief vom 29.6.48 mit Gebührenzettel 24 Pf
Abb. 6: Bedarfsbrief aus Niederstriegis mit 80 Pf Aufdruck Niederstriegis
und Paar 2 Pf Aufdruck Roßwein
Abb. 7: R-Brief vom -3.7.48.-10 mit Roßwein-Aufdrucken
Abb. 8: R-Brief vom -5.7.48.-10 mit Roßwein-Aufdrucken
Abb. 9: Abschnitt von einer Postanweisung vom -9.7.48.-10 mit Roßwein-
Aufdruck
Abb. 10: postfrischer Satz Gebührenzettel
Abb. 11: Briefstück Gebührenzettel 24 Pf mit abweichendem
handschriftlichen Zeichen
Abb. 12: moderne Ganzfälschungen der Gebührenzettel

 

Die Bilder folgen…..

 

 

Jahreshauptversammlung

Jahreshauptversammlung

Das jährliche Treffen 2017 findet vom 12.05 bis 14.05 in Hosenfeld in der Nähe von Fulda statt.
Umgeben von den Naturparks Rhön und Vogelsberg liegt die Sieberzmühle in herrlicher Hochwaldlage im Siebenbrunnental nahe Fulda.
Wir tagen im „Gasthof und Hotel Sieberzmühle“ die Jahreshauptversammlung beginnt am 13.05 um 10Uhr.
Themen und Ablauf werden in den Rundbriefen bekannt gegeben.

Regionaltreffen

Regionaltreffen

Neben der JHV gibt es auch noch die Regionaltreffen  „Regionaltreffen West“  im Herbst und
Regionaltreffen Ost“ im Frühjahr und im Herbst.
Die Regionaltreffen finden meistens an verschiedenen Orten statt, die in den 3 mal im Jahr erscheinenden Rundbriefen und auf dieser Seite
bekanntgegeben werden.

Messepräsenz 2018

Messepräsenz 2018

Wir sind auch in diesem Jahr wieder auf folgenden Messen mit einem Stand vertreten:

Internationale Briefmarken-Börse München

03. bis 08.Mai 2018  Internationale Briefmarkenmesse Essen (Dieses Jahr nicht vertreten)

20. bis 21. Oktober 2018 Briefmarkenmesse Berlin / NUMISMATIKA

25. bis 27. Oktober 2018 Internationale Briefmarkenbörse Sindelfingen

Forschungsergebnise

Forschungsergebnise

Der Vorschungsbeirat berät den Vorstand in allen Fragen der Forschung und grundlegender Fragen zum Sammelgebiet Bezirksstempelaufdruckmarken.
Der Forschungsbeirat beschäftigt sich mit der Erstellung von Richtlinien für das Handbuch und die Bewertung der Sammelstücke.
Er entscheidet in Streitfällen über Aufnahme oder Streichung von Aufdrucken oder Wertstufen.
Der Forschungsbeirat unterhält den Kontakt zur Michel Redaktion und macht Vorschläge zu Katalogbewertungen.